30 kätts Filzmäuse in einer Reihe, zur Veranschaulichung des täglichen Jagdpensums einer frei lebenden Mäusejägerin

Das tägliche Jagdpensum einer frei lebenden Mäusejägerin

Für Wohnungskatzen ist tägliches Spielen ein absolutes Grundbedürfnis. Warum, zeigt ein Blick auf die Aktivitäten, denen Ihre Katze nachgehen würde, wenn sie nicht in menschlicher Obhut leben würde.

Nehmen wir an, Ihre Katze würde zur großen Gruppe der passionierten Mäusejäger gehören. Dann müsste sie jeden Tag mindestens zehn Mäuse verspeisen, um ihr Überleben zu sichern. Um diese zehn Mäuse zu fangen, würde sie rund 30 Versuche benötigen, denn auch geübte Katzen sind durchschnittlich nur bei jedem dritten Jagdversuch erfolgreich.

30 Jagdversuche bedeuten, dass die Katze ihr Revier 30 Mal auf Geräusche und Bewegungen von Mäusen absuchen muss. 30 Mal muss sie eine geortete Maus belauern, ohne selbst entdeckt zu werden. 30 Mal muss sie sich an eine Maus heranschleichen. 30 Mal muss sie einen Beutesprung vollziehen und hin und wieder sogar fliehenden Mäusen hinterhersprinten. Rund 10 Mal kann die Katze schließlich ihre Zähne in einer Maus versenken und ihre Beute fressen.

All dies kostet Zeit. So viel Zeit, dass Ihre Katze in freier Natur den überwiegenden Teil ihrer Wachzeit mit der Mäusejagd verbringen würde – je nach den vorherrschenden Jagdbedingungen zwischen drei und zehn Stunden pro Tag. In der Wohnung hingegen sichert sie ihr Überleben durch das Leeren eines Futternapfes. Dafür braucht sie je nach Fresstempo und Anzahl der Mahlzeiten ca. 15 Minuten pro Tag. Der restliche Teil der Zeit, die sie in freier Natur mit der Mäusejagd verbringen würde, ist „Freizeit“.

Die Fähigkeit zu kreativer Freizeitgestaltung ist im Bauplan des Katzengehirns jedoch nicht vorgesehen. Im Gegenteil, der Jagdtrieb ist einer der stärksten Triebe Ihrer Katze. So stark, dass er unabhängig von ihrem Nahrungsangebot existiert.

Dies leuchtet ein, denn einer Katze, die erst mit der Jagd beginnt, wenn ihr der Magen knurrt, wird schnell die Energie für kräftezehrende Beutesprünge und Verfolgungsjagden ausgehen. Und zusammen mit ihrer Energie nehmen auch die Chancen auf einen Jagderfolg immer weiter ab. Für ein Tier, das ursprünglich nur auf sich selbst gestellt jagt und lebt, wäre dies keine günstige Überlebensstrategie.

Daher begibt sich eine Katze bereits auf Jagd, bevor sich der Hunger einstellt und ihre Energiereserven schwinden. So hat sie wesentlich größere Chancen, Beute zu machen. Kein Wunder also, dass es unter zugefütterten Bauernhofkatzen viele ganz besonders effiziente Mausejäger gibt.

Bild 1: Perserkatze Felina lauert im Laubhaufen im Wohnzimmer. Bild 2: die magere Jagdausbeute, eine erlegte Mücke

Selbst bei perfekter Deckung lässt die Jagdausbeute in der Wohnung sehr zu wünschen übrig

Doch was macht die Katze mit ihrem Jagdtrieb, wenn es in Ihrer Wohnung weder Mäuse noch andere jagdbare Nagetiere, Insekten oder Vögel gibt? Ganz einfach: Sie langweilt sich. Es sei denn, Sie geben ihr die Möglichkeit, ihren Jagdtrieb im Spiel abzureagieren. Und zwar im Spiel mit Ihnen!

Die gute Nachricht

Es ist keinesfalls erforderlich, die täglichen drei bis zehn Stunden, die Ihre Katze in freier Natur mit der Jagd verbringen würde, mit ihr zu spielen. Schon das Suchen, Orten und Belauern von Beutetieren ist Teil des kätzischen Jagdtriebes. Das heißt, indem Ihre Katze beispielsweise die Winkel und Nischen in Ihrer Wohnung inspiziert, den Geräuschen innerhalb und außerhalb der Wohnung lauscht sowie Vögel und andere Tiere durchs Fenster beobachtet, befindet sie sich bereits „auf Jagd“. Auch in freier Natur macht das Orten und Beobachten von Beute den überwiegenden Teil der Jagdzeit aus.

Allerdings sind das Anschleichen, Anspringen, Verfolgen und Packen bzw. Erlegen von Beute genauso wichtige Elemente des Jagdtriebs. Kann die Katze diese nicht im Spiel ausleben, wird sie dies auf andere Weise tun. Meist, indem sie ihren Hausgenossen auflauert und diese „anfällt“. So heißt es dann gerne, wenn eine gelangweilte Katze versucht, ihr natürliches Verhaltensrepertoire auszuleben. Andere gelangweilte Katzen werden dagegen immer passiver und verbringen mehr und mehr Zeit mit Ruhen und Schlafen. Oft werden sie dann für besonders entspannt oder gar faul gehalten, dabei sind auch sie in Wirklichkeit kreuzunglücklich.

Damit Ihre Katze gar nicht erst dazu kommt, sich zu langweilen und in Aggressionen oder Depressionen zu verfallen, sollten Sie mindestens dreimal täglich jeweils mindestens zehn Minuten mit ihr spielen. Am besten Jagdspiele, bei denen sie sich auspowern und „flüchtende Beute“ fangen kann, denn diese Aktivitäten sind ohne Spielpartner nicht möglich.

Das tägliche Jagdspiel macht Ihre Katze nicht nur glücklich, sondern hält sie auch geistig und körperlich fit. Schließlich ist der gesamte Körper einer Katze auf die ursprünglich überlebenswichtigen Jagdaktivitäten ausgerichtet. Von ihrem Herz-Kreislauf-System über ihren Knochenbau, ihre Muskeln und Sehnen bis hin zu ihren Sinnesorganen.

Und was für den Menschen gilt, gilt schließlich auch für die Katze: Wer rastet, der rostet. Und erhöht sein Risiko für Übergewicht, Herzkrankheiten und Diabetes. Jagdspiele hingegen sind ein perfektes Fitnesstraining für Ihre Katze: Sie stärken die Muskeln und halten die Gelenke flexibel. Und setzen Glückshormone frei!

In diesem Sinne, viel Spaß beim Spielen!